Holsteinischen Courier - 30. MAI 2013 - Konzert Jazzclub Neumünster

 

 

Jazz für Feinschmecker

 

Neumünster « Jazz fur Feinschmecker » kündigte Andreas Dreibrodt, der Leiter der Musikbücherei, an, als er das experimentierfreudige « Cholet/Känzig/Lopez-Trio » aus Frankreich ankündigte – und er sollte Recht behalten. Die fast 100 Gäste erlebten ein aussergewöhnliches Konzert.

Pianist und Komponist Jean-Christophe Cholet, Bassist Heiri Känzig und Schlagzeuger Ramon Lopez boten einen ungemein dynamischen und modernen Jazz, der sich kaum einordnen lässt. Die Variationsbreite ihres Spiels und erst recht ihre teils atemberaubenden Soli, waren beeindruckend. Schon beim ersten Titel klatschen die Jazzfreunde rhythmisch Beifall. Cholets Kompositionen reichen vom filigranen Sound über romantisch verzaubernde Melodien bis zum fieberhaften Groove.

Dabei bediente er nicht nur die Tasten des Klaviers, er griff auch in die Saiten des Instrumentes. Die beiden Rhythmiker an seiner Seite – beide touren regelmässig mit unterschiedlichen Formationen um die Welt – führten die musikalische Vielfalt von Cholet mit exzellenter Improvisation weiter. Känzig beispielsweise spielte den Bass so nahe am Steg, dass eigentlich kein exakter Ton mehr zu erwarten ist. Und Lopez bearbeitete seine Drums mit Leidenschaft. Da, wo seine Hände nicht mehr reichten, nahm er seine Ellenbogen zu Hilfe. Als Sitzgelegenheit diente ihm ein Cajon.

Das Trio spielte zahlreiche Stücke ihrer inzwischen sechsten CD « Connex », aber ausschliesslich eigene Kompositionen. Mit dem Cholet/Känzig/Lopez-Trio ist diesem Jazzclub Neumünster in diesem Jahr erneut ein bemerkenswerter Coup gelungen, international anerkannte Musiker nach Neumünster zu holen.

 

M.Z

 

28. MAI 2013 - Konzert Cave 61. 

 

Trio Cholet, Lopez und Känzig swingt im Cave

 

Heilbronn Da sitzt er vor seinem Piano, absolute Konzentration ausstrahlend. Erst mit 23 Jahren ist der Franzose Jean-Christophe Cholet seinem Ruf gefolgt. Hat auf seine klassische Konservatoriums-Ausbildung ein Jazz-Studium gesetzt.

Grenzüberschreiter sind geeignet, ihre Umwelt zu irritieren. Irritieren tut Cholet in seinem begeistert aufgenommenen Konzert im fußballeeren Jazzclub Cave 61. Dabei setzt Cholet, der bei Kenny Baron und Richie Beichrach den letzten Schliff bekommen hat, Maßstäbe. Mit der Attitüde eines klassischen Pianisten lässt er die Musik sprechen. Worte verliert er keine, lässt sich nicht dazu herab, Eigenkompositionen anzukündigen oder gar mit dem Publikum zu schäkern. Ein Exot ohne Jazz-Stallgeruch, der die grauen Zellen zum Schwingen bringt. Mit von der Partie sind Kontrabassist Heiri Känzig und der spanische Weltbürger Ramon Lopez am Schlagzeug, der für den verletzten Marcel Papaux eingesprungen ist und frischen Wind in das seit 2002 zusammenspielende Trio bringt. Was sie spielen ? Vermutlich Stücke ihrer letzten CD « Connex » mit sperrigen Titeln wie « Triplette » oder « Equinoxe ». Cholet interessiert es nicht, das Publikum hat es auch nicht zu interessieren.

70 Minuten spielen das Trio, gräbt sich ein in sein Universum, auf dass dem Publikum Hören und Sehen vergeht. Ein bisschen Schumann mag durchblinzeln, auch andere Klassiker. Wobei man den Begriff Klassik weit fasst. Die Ballade « Someday my prince will come » aus Disneys « Schneewittchen » darf nicht fehlen, die von Miles Davis interpretiert, einst zu Weltruhm gelang. Ein großartiger Jazz-Soundtrack.

 

 

Michaela Adick

 

 Stereoplay - Januar 2012 - Connex

 

« Connex » ist das sechste gemeinsame Album dieses famosen Trios, das 2012 sein zehnjähriges Bestehen feiert. Pianist Jean Christophe Cholet, der in New York geborene Kontrabassist Heiri Känzig und der Schweizer Schlagwerker Marcel Papaux finden hier in zehn Stücken zu einer seltenen Mischung aus Weltoffenheit und eidgenössischer Lust am Kunstfertigen – mit geschmeidigem Rhythmus, blitzenden Klaviersoli und einem rollenden Bass als Rückgrat.

Jeder Hördurchgang verspricht neue Entdeckungen.



 

Tom Fuchs - Connex

 

Der zwischen Klassik und Jazz changierende Franzose Jean Christophe Cholet (geboren 1962) gehörte lange Zeit nicht zu den bekannten Namen auf europäischen Konzertbühnen. So debütierte er in Deutschland erst 2010 mit grossem Erfolg. In den vergangenen Jahren war es vor allem die Musik anderer Künstler, zu der Cholet seinen Beitrag leistete. Doch Cholet leitet auch ein eigenes Trio, auf dessen letztem Album, « Hymne à la Nuit », er seine Leidenschaft für Chopin und Liszt mit der für die Poesie von Novalis verband. Auf « Connex », dem neuen Album des Trios, beweist Cholet sein subtiles Können mit einer ganzen Reihe von Eigenkompositionen, etwa « Ode to Charlie M. », einem Piano-Paradestück, das er mit geradezu aufreizender Delikatesse und Leichtigkeit spielt, ohne sich von der technischen Brillanz der Vorlage von Lalo Schifrin zu sehr in die Pflicht nehmen zu lassen. Distanziert, aber anmutig und klar zupft er dieses Stück Salonzauber in Form, wobel es unter seinen Händen verschämt aufblüht. Cholet beherrscht das prasselnde Nonstop-Parlando ebenso wie das Minimal-Dauerlaufen oder den krönend aufsteigenden Abschluss. An Technik denkt man dabei zu keiner Sekunde, darin steht er manuell sicherlich potenteren Kollegen in nichts nach. Ähnlich selbstverständlich sprechen die anderen Kompositionen von Bassist Heiri Känzig, die man sich natürlicher und sinnlicher als unter Cholets feinmechanischer Genauigkeit kaum vorstellen kann : pure Piano-Lust. 

 

 

Jazz Podium - Connex

 

(…) Seit zehn Jahren spielt das franko-helvetische Trio immer wieder zusammen – und lässt es zu Beginn von Connex im Stück Triplettes ganz im Sinne zupackender Pianotrios ordentlich grooven (das Stück erinnert stark auch an das Schweizer Pianotrio Rusconi). Insgesamt wird dieses sechste CKP-Album aber von eher ruhigeren, mehr auf Klangmalerei setzenden Kompositionen (überwiegend von Cholet geschrieben) bestimmt. Energievoll, leicht und luftig klingt der Sound allgemein, charakteristisch für das Piano ist dessen perlender schwungvoller Stil, auf den die beiden Rythmusgeber stets virtuose Antworten zu geben wissen. (…)

 

Thomas Volkmann